Montag, 12. Juni 2017

200 Jahre Fahrrad – Drais fährt eine „Laufmaschine“


Sieht urig aus, das als Hingucker aufgestellte Holzrad. Gesehen 2015 auf dem Kofelplatz, Nassfeld, Kärnten. (Alle Fotos, Repros, Montagen (c) 2017 presseweller)


Ständige Weiterentwicklung bis zu den modernen Pedelecs, den E-Bikes


Siegen. 11. Juni 2017 (DiaPrw). Das Fahrrad gehört schon lange zum Lebensalltag dazu. Einst für bessere und zügigere Fortbewegung gedacht, wird es seit Langem auch für Freizeitaktivtäten und sportliche Wettbewerbe sowie für Lieferzwecke genutzt. Im Jahre 1817 ging es erst einmal darum, Strecken schneller, als zu Fuß möglich, bewältigen zu können. Es ist der in Karlsruhe geborene Forstbeamte und Erfinder Karl Freiherr von Drais, der eine Lauf- oder Schnelllaufmaschine entwickelt und am 12. Juni 1817* die erste Fahrt mit dem hölzernen Fahrgerät, der Draisine, zwischen Mannheim und Schwetzingen in Baden-Württemberg unternimmt. Übrigens gibt es auch heute noch Fahrräder mit – edlem – Holzrahmen, unter anderem von einer Design-Firma in Freiburg, ebenfalls Baden-Württemberg. Für das Fahrrad werden heute teils auch die Bezeichnungen „Bike“ und „Velo“ sowie einfach „Rad“ benutzt.

Drais baute ein Gefährt mit Holzrahmen und hölzernen Rädern, einem Deichsellenker und Sitz.* Die Fortbewegung wurde durch „Abstoßen“ mit den Füßen beim Start und zwischendurch bewirkt. So konnte man ein gewisses Tempo erreichen. Etwas Ähnliches, mehr zum Mitlaufen, kennen wir heute noch von den Laufrädern für Kinder. Die Erfindung von Drais kam gut an. Im Januar 1818 erhielt er das großherzogliche Privileg, wohl ähnlich des späteren Patents, für die Laufmaschine. Das rief viele Tüftler auf den Plan. Über 20 Jahre später kamen die Hochräder mit großem Vorder- und viel kleinerem Hinterrad, was für mehr Tempo sorgen sollte. Dabei gab es noch etwas Wichtiges: die Tretkurbel. Man musste also nicht mehr mitlaufen. Es spornte an, das Fahrrad immer weiter technisch zu verbessern und den Betrieb zu vereinfachen. Im 19. Jahrhundert, nach Erfindung der Gliederkette, gab es das Rad mit einer Kette, mit der die Tretkraft aus der Kurbel auf das Hinterrad übertragen wurde. Ende des 19. Jahrhunderts erfand Sachs die Fahrradnabe, Anfang des 20. Jahrhunderts kam von Wanderer aus Chemnitz eine Zweigang-Nabenschaltung sowie kurz darauf die Sachs-Torpedo-Freilaufnabe, die Rücktritt hatte.
Was gehörte noch zur Fahrradentwicklung? Beleuchtung, zuerst mit Karbidlampen, Luftreifen und ausgeklügeltere Lenkerformen. (*Daten, Formen, Namen usw. wurden neben allgemeiner Eigenkenntnis größtenteils in Wikipedia (...de/wikipedia.org recherchiert).



Mit dem "Hochrad" sollte es schneller gehen. Gesehen im Heimatmuseum Möderndorf.

Vom Dreirad zum ersten Rad

In früheren Zeiten sah man in Dörfern und Städten häufig Fahrräder, um aufs Feld oder zur Arbeitsstätte zu fahren. Sie wurden auch militärisch genutzt. Jugendliche fuhren Rad, um einfach zur Schule oder zum Ausbildungsplatz zu kommen oder mal einen kurzen Ausflug zu machen. Hier und da gab es in den frühen Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts auch schon Motorräder zu sehen Autos waren bis Anfang der 1950er-Jahre noch selten. 
Dem Fahren scheint wohl eine Faszination inne zu sein. Das zeigt sich bereits in der Kindheit am Interesse an Seifenkisten und daran, gerne ein Dreirad zu haben. Diese gab es wie heute mit der Tretkurbel am Vorderrad und auch mit mittlerer Tretkurbel und Kette.



Aus den 1950er-Jahren (links) Kinder-Dreirad mit Hinterradantrieb, rechts eines der Kinder-Laufräder aus den 2010er-Jahren.  


Mit zunehmendem Alter war der Weg zum „richtigen“ Fahrrad nicht weit. Wenn es schon kein neues war, gab es zumindest ein altes, das etwas aufbereitet war. Das Fahren musste man erst lernen. Die Eltern hatten verschiedene Methoden dafür. Meist liefen anfängliche Fahrversuche so, dass Vater, Mutter, großer Bruder oder Opa das Rad am Gepäckträger festhielten. Und dann: Die ersten Meter ganz alleine fahren, ohne umzufallen! Tolles Gefühl! In relativ kurzer Zeit war man schon ein gutes Stück vertraut mit dem Rad. Wir konnten mit den anderen umherfahren, wobei es bis in die frühen Jugendjahre kaum Autos in den Wohnstraßen gab. Das erleichterte die Sache. Zum Beispiel gab es in Siegen in der Innenstadt einen zwischen Straße und Bürgersteig klar durch einen niedrigen Bordstein abgeteilten Radweg. Den nutzten wir gerne, um ins Hallenschwimmbad beim Kaisergarten zu kommen.


Links Damenrad mit Nabenschaltung, rechts Rennrad aus den 1980er-Jahren.

Ausreichende Auswahl

Nahezu jeder hatte zur Jugendzeit ein anderes Fahrradfabrikat. Schließlich gab es schon viele Hersteller wie Miele, NSU, Rabeneick, Victoria und viele andere. Die klassische Modellauswahl bestand überwiegend aus Tourenrad, das irgendwie bequemer war, dem Sportrad, das mit schon anderem, kürzeren Lenker "sportlicher" aussah als das Tourenrad, und dem Rennrad mit wieder anderem, teils nach unten gebogenem großem Lenker und sehr dünnen Reifen. In unseren Anfängen waren an unseren Jugendrädern noch keine Felgenbremsen vorhanden. Die Vorderradbremse hatte oberhalb des Vorderreifens einen großen Bremsklotz. Je fester man den Hebelgriff am Lenker zog, desto stärker war das Abbremsen. Vorsicht gilt heute noch: Wer zu feste über das Vorderrad bremst, läuft Gefahr, einen Satz über die Lenkstange zu machen. Passierte hin und wieder, zum Glück ohne große oder zumindest gefährliche Blessuren. Bei den Rädern ohne Schaltung und denen mit Nabenschaltung gibt es in der Regel den „Rücktritt“ der aufs Hinterrad wirkt und dessen Bremskraft mit den Pedalen reguliert wird. Fahrräder mit Kettenschaltung und ohne Rücktritt hatten und haben eine separate Hinterradbremse.

Früher war längst nicht jedes Rad mit einer Gangschaltung ausgerüstet. Wenn, dann war es meist eine Nabenschaltung. Standard waren damals drei Gänge: von Gang 1 bis 3 mit stärker erforderlichem Tritt. Die Schaltungen, meist „Torpedo-Dreigang“, waren je nach Hersteller leicht anders in den Gangspreizungen ausgelegt. Bei meiner Sturmey Archer war bereits im 1. Gang ein kräftigerer Tritt erforderlich, was mich auf Steigungsstrecken meist das Nachsehen kostete. Gut, dafür gab es in Gang 3 mehr Tempo auf gerader Strecke. Die Veränderungen bei diesen Schaltungen werden durch eine Art Getriebe in der Hinterradnabe bewirkt. Mittlerweile gibt es solche Schaltungen auch mit mehr als drei Gängen, zum Beispiel als Sieben-Gang-Nabenschaltung.
Einer unserer Freunde hatte ein schnittiges Rennrad. Vom ganzen Aufbau her, einschließlich der Räder und Reifen, wirkte es weit graziler als die anderen. Mit der Zehngang-Kettenschaltung, die über Hebel an der Mittelstrebe betätigt werden musste, gab es natürlich weitaus mehr Möglichkeiten, ein passendes Trittverhalten einzustellen: mehr Erleichterung bei Steigungen, mehr Tempo auf der Geraden. Die Veränderungen werden durch unterschiedliche Zahnkränze am Hinterrad bewirkt sowie durch das Kettenblatt oder mehre Kettenblätter an der Tretkurbel. Durch diese Kombination gibt es heute Räder mit zig – bis zu über 20 – Gängen.

Wichtiger Bestandteil des Fahrrades war schon damals die Beleuchtung. Neben dem Rückstrahler waren an unseren Rädern eine Rück- und eine Vorderlampe installiert. Strom kam vom Dynamo, der seitlich neben dem Vorderrad angebracht war und bei Bedarf an die Reifenflanke abgekippt werden musste. Heute werden meist andere Stromquellen genutzt. Nach und nach kamen Pedal- und Speichenreflektoren zum Einsatz. 
Außer auf normalen Wegen und Straßen waren wir früher auch gerne auf Waldwegen, Steigungs- und Gefällstrecken unterwegs. Man mag es nicht glauben: Ja, uns reichten unsere Räder voll und ganz dafür aus! Wir mussten erst gar nicht entscheiden, ob wir eines von so vielen anderen Modellen wie heute wollten. Praktisch.



Dicke, grob-profilierte Reifen, stabiler Rahmen: ein Fatbike. 

Die ganze Palette bis zum Fatbike

Abgesehen von Herren- oder Damenrad sowie verschiedenen Rahmenhöhen und Felgengrößen sowie Einstiegsvarianten wie tiefer Einstieg haben die einen Biker heute zum Beispiel ein Mountain-, andere ein Trekkingbike, wieder andere haben ein Hollandrad, ein Citybike oder gar ein Fatbike und so weiter und so weiter - bis zum Falt- oder Klapprad. Die Hersteller haben es wohl gut verstanden, Interessen zu wecken und ihr Angebot mit verschiedensten Radtypen zu erweitern. Fahrräder sind gefragt. Wachsende Verkaufszahlen zeigen das. Und da kommt seit Jahren eine Gruppe hinzu, die immer mehr Rückenwind hat: das Pedelec, das E-Bike. Im Vorjahr sind die Verkaufszahlen gegenüber 2015 weiter gestiegen. Waren es laut dem Portal statista.com 2015 noch rund 535.000, sind für 2016 bereits rund 605.000 aufgeführt. Der prozentuale Anteil am Gesamt-Fahrradmarkt wächst - Ende nicht absehbar. Natürlich gibt es auch die Pedelecs in verschiedenen Formen. Immer häufiger zu sehen sind Lasten-Fahrräder mit E-Antrieb für den gewerblichen Einsatz.

Übrigens gab es von einem Motor unterstützte Fahrräder bereits vor Jahrzehnten. Sie hießen „Fahrrad mit Hilfsmotor“, meist ein Zweitakter, der mit Benzin-Ölgemisch lief. Diese Räder sahen etwas schwerfällig aus, erfüllten aber ihren Zweck. Ein Zeitzeuge, der über Jahrzehnte solch ein Motor-Fahrrad hatte, sagte, es sei sehr praktisch und einfach zu fahren gewesen. Nicht ohne Wehmut hat er es vor wenigen Jahren an einen Interessenten verkauft. Die Mofas und Mopeds waren wohl eine Weiterentwicklung.

Auch E-Bikes, Pedelecs, gibt es in verschiedenen Arten. Jeder, wie er's mag oder womit er für seine Ansprüche am besten zurechtkommt. Längst sind diese Räder nicht auf ältere Kundschaft beschränkt. Im näheren Umfeld sehen wir seit Jahren, dass auch jüngere eingefleischte Radler E-Bikes nutzen, zum Beispiel ein E-Mountainbike, um geländemäßig herausfordernde Passagen besser unter die Räder nehmen oder um längere Touren - so weit der Akku reicht - weniger anstrengend anzugehen.



Ein Pedelec, Fahrrad mit Elektromotor-Unterstützung. 

Mit Stromkraft: Pedelec

Das klassische Pedelec, das führerscheinfrei und ohne Versicherungskennzeichen gefahren werden kann, funktioniert nur mit Mittreten und unterstützt bis zu einer Geschwindigkeit von 25 Stundenkilometern. Es gibt zig Anbieter, wobei sich auch die Komponenten, vom Bremssystem bis zum Motor, unterscheiden. Zur Reichweite sind in der Werbung so etwa zwischen 80 und bis über 120 Kilometer angegeben. Das richtet sich aber danach, wie oft und wie intensiv man die elektrische Motorunterstützung nutzt. Ein- und Ausschalten der E-Kraftunterstützung sowie Intensität lassen sich an einem Bedieninstrument am Lenkrad regeln
Rein vom Antrieb/ Motoreinbau her gibt es drei Varianten: Frontantrieb, Motor im Vorderrad, Mittelmotor im Tretlagerbereich, Hinterradantrieb, Motor im Hinterrad. Unterschiede gibt es damit auch bei Schwerpunkt, Fahrverhalten und anderem. Wenn wir uns umhören und schauen, sieht es im Umfeld inzwischen wohl so aus, dass oft der Mittelmotor gewählt wird. Konkrete Zahlen dazu haben wir nicht. Wenn wir Nutzer dazu fragen, erhalten wir stets positive Rückmeldungen.
Es ist sehr ratsam, sich zu E-Bikes und auch zu anderen Fahrrädern vor dem Kauf intensiv beraten zu lassen. Die Art des Rades und die Größe müssen passen, will man Spaß am Radeln haben. Probefahrten machen! Die Preispalette ist groß.

Wenn man dann bedenkt, dass alles auf einer Erfindung des Herrn Drais aus dem Jahre 1817 beruht, ist es auch in dieser Sparte erstaunlich, was sich alles daraus entwickelt hat! (jw)

(Alle Angaben nach bestem Wissen und Recherche, Irrtum stets vorbehalten).

Zu diesen und anderen Fotos rund ums Rad bitte anfragen. www.presseweller.de

Auf Pressewellers Bike-Click gibt es immer wieder Fahrradthemen sowie Tipps für Rad- und Motorbiketouren.


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